Verdammt, dieser Regen. Sorgenvoll studiert AIDA-Umweltdirektorin Monika Griefahn die Wettercharts für Bergen. Seit dem 26. Mai 2027 regnet es in der Stadt, in der es immer regnet. Eine Woche ist die Kreuzfahrt nun schon hier in Norwegen kaltgestellt. Keine Sonne, keine Energie.

Die AIDAsol ist das erste Schiff, das vor fünf Jahren auf Sonnenenergie umgestellt wurde. Wenn nicht die AIDAsol, welches Schiff dann? Aber bei diesem tristen Wetter geht hier gar nichts mehr. Da haben es die beiden neuen Clubschiffe besser: Die AIDAmüsli und die AIDAyoga fahren volle Kraft voraus unter der Sonne der Karibik.

Wind-Energie: Mein Schiff 13 ist ein Zwanzigmaster

Vielleicht hätten sie bei der Rostocker Reederei bei den Nordlandrouten auf Wind-Energie setzen sollen. So wie bei TUI Cruises, wo „Mein Schiff 13“ bereits seit März 2025 unter Segeln fährt. Auch wenn der Zwanzigmaster nicht einfach zu handeln ist, entspricht doch die Segelfläche des 5000-Personen-Pottes nach Quadratmetern exakt der Fläche von Hessen. Einen halben Seetag braucht die Crew, um die Jutesegel zusetzen, die immer wieder aus den Verankerungen gerissen werden.

Jutesegel sind seit drei Jahren Pflicht, seit bei der Seacloud in den traditionellen Stoffen das allergieauslösende „ZGHKVM QGF 2“ nachgewiesen wurde. In der Biscaya bläst es kräftig – leider aus der falschen Richtung. „Mein Schiff 13“ wird zwei Tage später in Lissabon eintreffen, muss kreuzen. Nur wenige Passagiere meutern, schließlich haben sie ja eine Kreuzfahrt gebucht.

„Mein Schiff 11“ dümpelt derweil vor Rotterdam mit schlaffen Segeln im Windschatten eines Containerriesen. Der stellt gerade von Schiffdiesel auf Sesamöl um. Als erstes Frachtschiff weltweit. Auch wenn der Industrieschiffsverkehr auf dem Wasser 99 % ausmacht – im Fadenkreuz des Naturschutzbundes sind fast ausschließlich die 1 % Kreuzfahrer.

NABU-Versuch: Alkoholvergiftung an Bord

Seit Jahren fordert der NABU auf den umweltfreundlichen Brennstoff Methanol umzusteigen und ist selbst aktiv geworden. Erste Feldversuche auf dem Alsterdampfer „Tarpenbeck“ sind vielversprechend. Zwar mussten der Kapitän des Schiffes und neunzehn Passagiere aus Sachsen-Anhalt wegen akuter Alkoholvergiftung eingeliefert werden, die Umweltbelastung war jedoch deutlich geringer als bei Schiffsdiesel.

In der deutschen Bucht sitzt per einstweiliger Verfügung seit nunmehr drei Monaten die alte „Amadea“ von Phoenix fest. Zwei Basstölpel-Paare haben auf dem Schornstein des Schiffes ihr Nest gebaut. Vermutlich haben die verwirrten Vögel die „Amadea“ mit der Felsformation von Helgoland verwechselt. „Ehe die Jungtiere nicht geschlüpft sind, wird hier kein Motor angeworfen, kein Anker gelichtet“, so ein NABU-Sprecher.

Ackerbau auf AIDA

Seit Monika Griefahn bei AIDA damals das Umweltamt übernommen hat, ist viel passiert. Die drei ältesten AIDAs sind bis 2026 die sogenannten „Selection-Cruises“ gefahren. Individuelle Routen mit individuellen Aufenthalten. Kreuzfahrt mal ganz anders. Der Gegenentwurf zum Massentourismus.

Erntedankfest auf AIDAcara

Seit einem Jahr sind auf der AIDAcara, der AIDAvita und der AIDAaura die drei ersten Waldorfschulen in Betrieb. Crew-Mitglieder aus Spa und Bar haben dort ehrenamtlich die Lehrtätigkeit übernommen.

Das Sonnendeck ist einer großzügigen Ackerfläche gewichen. Seitdem wird hier kontrolliert biologisch angebaut, legendär sind die „Hirseparties“. Das Erntedankfest auf der AIDAcara ist für den deutschen Innovationspreis 2027 nominiert worden. Zu Recht. Es gibt allerdings kaum Fotos in den Social Media – Portalen, da AIDA das Internet auf diesen Schiffen wegen des Elektrosmogs abschaffen musste.

Jürgen Trittin bei Hapag Lloyd Cruises

Aber auch andere Reedereien mussten dem folgen. Jürgen Trittin, 73jähriger Grünen-Pensionär, leitet seit zwei Jahren die Nachhaltigkeitsoffensive bei Hapag Lloyd Cruises. Unglücklich allerdings sein Einstieg. Seit die alten Greenpeaceschiffe „Rainbow Warrier III“ und „Esperanza“ den Tenderdienst der „Europa 4“ übernommen haben, kommt es immer wieder zu Übergriffen. „Bevor ich einen dieser Kähne besteige, ersticke ich lieber an einer Auster“, so ein Stammgast. Und er ist nicht der einzige, der so denkt.

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Uwe Bahn ist Moderator und Autor. Als Reise- und Kreuzfahrtexperte schreibt er für die bekanntesten Zeitungen und Zeitschriften. Seit 2006 gibt er jährlich den "Kreuzfahrtguide" heraus, das Standardwerk für Urlaub auf dem Wasser. Außerdem ist er Herausgeber des Kreuzfahrtportals www.kruize.de.

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