Mein Schiff 4 – nah am Wasser

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Kreuzfahrt – das ist Urlaub auf dem Wasser. Das ist bei Mein Schiff 4 nicht nur mehrere Handbreiten unter dem Kiel, sondern auch darüber. Eine Wasserstandsmeldung. 

Stille Wasser sind tief – der Preis allerdings ist hoch: 19,50 € kostet die Flasche „Veen Velvet“ im Restaurant „Richards“. Dafür kommt das Wasser auch direkt aus dem arktischen Lappland, aus der Region Konisaajo im Norden Finnlands. Dort wird das Rinnsal in „individueller Menge“ von 0,66 Litern abgefüllt.

„Auf dieser Tour haben wir bisher drei Flaschen davon verkauft“, erzählt Albert, Sommelier auf „Mein Schiff 4“. Wein, das ist eine leichte Übung. Aber Wasser? Kein Kirsch oder Vanille im Abgang, kein trocken oder halbtrocken. Wasser ist erst mal nur nass. Nur für „nass“ gibt noch kein Passagier 19,50 € aus.

Wasser-Flasche „Bling“ aus Tennessee für 59,90 Euro

Dann klappt Albert sein handschriftliches Weinbuch auf. Akribisch geführt, hat er es mit den nötigen Fakten zum Wasser ergänzt. Mineralien, Herkunft und was bei den tausend Tropfen noch so alles wichtig ist. In dreißig Sekunden muss Albert den Gast überzeugen, dass es das Wasser wert ist. Das „Bling“ aus Tennessee haben sie wieder von der Karte genommen: 59,90 € für die Flasche war dann doch zu dicke. Gerade auf einem all inclusive Schiff, auf dem sonst nur Champagner und besonderer Whiskey noch on top kommt. Und eben „Veen Velvet“.

Draußen auf Deck 5 kommt das Wasser aus dem Schlauch. Wie in jedem Hafen, so wird auch in St. Petersburg geschrubbt. Salzwasser ist aggressiv und es wäre fatal, wenn ein Neubau nach nicht mal einem Jahr schon Rost ansetzt. Und so hat die Cleaning-Crew vermutlich ein etwas anderes Verhältnis zum Wasser als Sommelier Albert.

Sie nutzt den Slot, denn das komplette Schiff ist beim Sightseeing in der Stadt: Peter-Paul-Festung, Isaakskathedrale, Winterpalais. Uns zieht es zum Wasser, wir fahren abends auf der Neva. Es gibt Flüsse mit mehr Flair.

Mein Schiff 4 – Pool ist 25 Meter lang

Dann lieber zurück an Bord. „Wohlfühlen“, so das offizielle Wording bei „Mein Schiff“. Eine gewichtige Rolle spielt dabei das Wasser. Die größte zusammenhängende Wasserfläche findet der Passagier auf Deck 12, dem Aqua-Deck, wie sollte es auch anders heißen. Großzügige 25 Meter misst der Pool, eine echte Wettkampf-Kurzbahn.

In dem Becken hätte auch Franziska van Almsick ihre Freude. Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin hat „Mein Schiff 4“ in Kiel getauft. Dort begann auch diese Reise, und dort wird sie enden. Vermutlich, auch wenn der Fahrplan ein weinig durcheinander gerät: Klaipeda fällt ins Wasser. Der Wind weht mit Stärke elf – der Hafen ist gesperrt und so schaukelt „Mein Schiff 4“ nach Helsinki.

Wettkampf-Größe: der 25-Meter-Pool auf Mein Schiff 4

Wasser schwappt über die Reling auf Deck 5, gute fünf Meter sind die Wellen hoch. Kapitän Kjell Holm empfängt uns auf der Brücke. Wasser, das ist sein Element, seit 50 Jahren ist der Finne in der Seefahrt. Vor ein paar Jahren hat er Mein Schiff 1 im Geiranger Fjord mit der Bugspitze unter einen Wasserfall geschoben. Natürlich Safety first – der norwegische Lotse hatte vorher abgenickt und das Manöver begleitet.

Gesund durch Wasser auf 1700 Quadratmeter

Kjell Holm strahlt die geballte Verantwortung aus; die Brücke auf Deck 10 wurde nach seinen Vorgaben gebaut. Er beugt sich über ein Schaubild des Schiffes und erklärt die Zeichnung: „Wenn im Notfall Wasser eintritt, heißt es an diesen Stellen Schotten dicht!“ Dann zeigt er nachdenklich auf zwei rotschraffierte Segmente am Rumpf. „Wenn wir hier ein Leck haben, dann müssen wir evakuieren“. Das wird bei diesem Kapitän nicht passieren.

Gesund durch Wasser lautet die eingedeutschte Version vom lateinischen „Sanus per Aquam“ oder kurz „Spa“. 1700 Quadratmeter Gesundheit gönnt TUI Cruises seinen Gästen. Auch dort ist der Passagier nah am Wasser: in der finnischen Sauna inklusive Panoramablick auf’s Meer. Das gehört mittlerweile zum Standard eines Kreuzfahrtschiffes.

Etwas gewagter ist da schon im Heck der „Blaue Balkon“, der gläserne Ausguck, der freischwebend über das Schiff hinausragt. Mehr als acht Personen dürfen ihn nicht gleichzeitig betreten, sonst könnten sie näher am Wasser sein, als ihnen lieb ist.

Eine Wasserwelt der besonderen Art ist der schwedische Schärengarten. 24.000 Inselchen liegen verstreut in der Ostsee vor den Toren der Hauptstadt Stockholm. Es ist eine der spektakulärsten Passagen der Kreuzfahrt überhaupt. Selbst durch die Panoramafenster des Büfettrestaurants Anckelmannplatz fasziniert diese Landschaft und entschädigt fürs frühe Aufstehen.

RIB-Rodeo durch Stockholms Schären

In diesem Moment sieht auch der Letzte ein, dass ein Lotse an Bord eines Kreuzfahrtschiffes durchaus Sinn macht. Mit seiner Hilfe erreicht Mein Schiff 4 das zentrale Cruise-Terminal von Stockholm und wir steigen um in das besondere Abenteuer auf dem Wasser: Rodeo-Ritt auf einem RIB. Das ist ein Speed-Schlauchboot.

Thomas heißt der Schwede, dem zwölf Gäste von Mein Schiff 4 ihr Leben anvertrauen. Eingepackt wie zu einer Polarexpedition klemmen sich alle in das Gestänge. Alles steht. Im Sitzen würde uns die erste Welle nach Uppsala katapultieren. Dann schiebt der Schwede den „Volle Kraft Voraus“-Hebel nach vorne und wir brettern über das Wasser.

Jede Welle versetzt uns Schläge im Sekundentakt – ein Presslufthammer könnte nicht schöner sein. Mit fast 100 km/h schießt das RIB durch die Schären bis nach Vaxholm, einer Insel, auf der es den Schweden gut geht. Es ist schon eine Kunst, ein Haus zu finden, das keinen Meerblick hat.

Traumpassage: durch die Schären Stockholms

Wo kommt eigentlich das ganze Wasser her, mit dem wir baden, duschen, Zähne putzen? Ryan Eickholt heißt der Mann, der das Geheimnis lüftet. Er ist auf Mein Schiff 4 der Umweltoffizier. Wasser begleitet ihn schon länger. Vorher hat der Amerikaner bei „Sea World“ gearbeitet, dem Meeresthemenpark in Orlando/Florida. Dort hatte er eher mit Seelöwen, Orcas und Delfinen zu tun.

Sogar aus der Toilette fließt Trinkwasser

„Es ist alles Trinkwasser, was hier aus den Wasserhähnen, der Dusche, sogar aus der Toilette fließt“, erzählt er in den Katakomben des Schiffes. Verständlich. Infektionskrankheiten kann sich kein Kreuzfahrtschiff erlauben. Das meiste Wasser kommt direkt aus dem offenen Meer, geht durch die schiffseigene Entsalzungsanlage und wird gefiltert. Dann werden Mineralien zugesetzt. In Häfen wie Helsinki oder St. Petersburg wird Wasser gebunkert.

„Wenn wir es aus dem Hafenbecken pumpen, würde das die Membranen zerstören!“ Der Umweltoffizier muss es wissen. Hier unten im Rumpf von Mein Schiff 4, das ist das Leben des Ryan. Eine Welt aus Pipelines, Ventilen und Tanks, von der keiner etwas ahnt, der zehn Decks höher im Pool plantscht. Nach dem Ausflug in die Unterwelt beschäftigt mich am letzten Abend nur noch eine einzige Frage: Bestelle ich eine Flasche „Veen Velvet“ für 19,50 € oder trinke ich aus dem Wasserhahn?

Wasserverbrauch Mein Schiff 4

Wasser (still)ca. 500 Liter/Tag
Wasser (mit Sprudel)ca. 300 Liter/Tag
Dusch/Toilettenwasserca. 200 Liter pro Tag und Kabine, macht bei 1.253 Kabinen ca. 250.600 Liter pro Tag
Poolwasser300.000 Liter (Außen- und Innenpool, wird etwa alle 20 Tage komplett erneuert)
Whirlpoolwasser12.000 Liter (4 Whirlpools, wird jeden Tag erneuert)

Mehr Infos: www.tui-cruises.com

 

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Uwe Bahn ist Moderator und Autor. Als Reise- und Kreuzfahrtexperte schreibt er für die bekanntesten Zeitungen und Zeitschriften. Seit 2006 gibt er jährlich den "Kreuzfahrtguide" heraus, das Standardwerk für Urlaub auf dem Wasser. Außerdem ist er Herausgeber des Kreuzfahrtportals www.kruize.de.

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