Oasis of the Seas – A walk in the Park

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Lazlo, der Oasis-Gärtner

Die amerikanische Reederei Royal Caribbean steht für „Superlative auf See“, wie dem Central Park auf der Oasis of the Seas. Sie ist die „Mutter“ der neuen Megaschiffe. Zusammen mit den beiden Schwestern „Allure of the Seas“, Harmony of the Seas und 2018 der Symphony of the Seas ist sie das größte Kreutfahrtschiff der Welt. Erlebnisse an Bord eines Giganten der Meere. 

Bleibe ich in meiner Kabine oder vertrete ich mir noch die Beine in der Stadt? Nein, nicht in Fort Lauderdale, da haben wir längst abgelegt. Die Stadt, das ist die Oasis of the Seas, wir sind auf See. Als ich das erste Mal in der Royal Promenade auf Deck 5 stehe, halte ich Ausschau nach einem hilfsbereiten Crewmitglied, das mir den Unterkiefer wieder hochklappt. Eine Straße auf einem Schiff. Mit Shops, Bars, Restaurants. Überall funkeln Neonlights – es könnte auch der Las Vegas Strip sein. Allein dieser Bord-Boulevard ist länger als manch’ anderes Kreuzfahrtschiff.

Theater ist am Ende der Straße

Am Eingang steht ein alter Auburn Speedster Tribute aus dem Jahre 1936. Jeder der 6200 Passgiere dürfte am Ende der Reise dieses Motiv auf seiner SD-Karte haben. „Am 5. Tag ist in der Royal Promenade die „Seventies Dance Party“, erzählt Drew, der Cruise Director. Der Kanadier ist für die gesamten Aktivitäten an Bord zuständig.

Vom Big Band Dancing mit dem Oasis-Orchester im Dazzle auf Deck 8 bis zur großen „Cats-Show“ im Opal-Theatre auf Deck 4 und 5. Das ist ganz am Ende der Straße. Dort stehe ich vor der Starbucks Filiale und fühle mich, wie Crocodile Dundee, als er aus dem australischen Busch nach Manhattan kommt.

„Sechzig Aktivitäten haben wir jeden Tag“, zählt Drew durch. Eine davon ist die Revue im Eisstadion, das sich hinter der Tür von „Studio B“ verbirgt, direkt unter der Royal Promenade. Moment, wo war die jetzt? Zeit für den Rückzug, Eindrücke sortieren, ordnen, durchatmen. Die Kabine ist der einzige Ort, der so auch auf „Mein Schiff 3“ oder „AIDA stella“ sein könnte. Der Rest ist eine andere Galaxie.

Wir sind in Nassau. Dort, wo ich im Januar 2002 zum ersten Mal auf ein Kreuzfahrtschiff gegangen bin, auf die „Astor“ von Transocean. 21.000 Tonnen, 578 Passagiere. Überwältigt war ich damals. Wow, was für ein riesiges Schiff. Und nun, vierzehn Jahre später, bin ich das zweite Mal hier auf den Bahamas. Mit der Oasis of the Seas, die ist zehnmal größer als die Astor. Und Kreuzfahrt ist längst nicht mehr ausschließlich für jene, die es schon im Kreuz haben. Es boomt.

Landgang: Bahamas goes Ballermann

Neben uns liegt die „Norwegian Getaway“, daneben die „Majesty of the Seas“, einen Liegeplatz weiter die „Norwegian Sky“. Achja, die „Carnival Ecstasy“ hat gerade abgelegt. Die Karibik-Kneipen von Nassau sind voll, einige Passagiere auch. „Senor Frogs“ heißt der Laden am Ende des Woodes Rodgers Walk, der Hafenpromenade.

Aus langen Plastik-Kelchen schütten sie mit der bekannten all-inclusiv-Gier den Strawberry Daiquiri in die vollschlanken Körper. Bahamas goes Ballermann. Das Schild vor der Pirate Republic Brewing Company hätte vor zehn Jahren auch an der Playa de Palma auf Mallorca stehen können: „Beer is the answer, but…I don’t remember the question…“.

Burger-Bude „Johnny Rockets“

Der knurrende Magen schickt mich zurück aufs Schiff. Gastronomisch ist es auf der Oasis of the Seas für diese Masse von Menschen erstaunlich zivil. Selbst das Büffet-Restaurant „Winderjammer Marketplace“ wirkt nicht überlaufen und geordnet. Natürlich haben amerikanische Mägen in der Regel eine andere Kapazität und Priorität: Burger, Saucen, Diet Coke (die wenig bringt).

„Johnny Rockets“, der Hamburger Laden, ist die perfekte Kulisse dafür, hier hätte auch – der späte – Elvis sitzen können. Für alle, die die Burger-Bude finden wollen: Direkt hinter dem Kinderkarussell auf dem Boardwalk, der zweiten Hauptstraße, Deck 6, steuerbord. Der Boardwalk ist unter freiem Himmel und führt direkt hinunter zum Meer, wo das Aqua theatre das Heck abschließt. Beim kulturbefreiten „Bauchklatscher-Contest“ erkennen wir einige aus den Bahama-Bars wieder.

Zipline über der „Schiffsschlucht“

Zehn Decks höher johlen Japaner. Gerade hat es einen von ihnen vom Brett gerissen und gegen die Seitenwand geklatscht. Stürmischer Applaus auf der gut gefüllten Tribüne beim Flowrider, dem Surfsimulator, im Heck auf Deck 16. Zwei Scouts helfen dort den Laien auf die Bretter, und dann geht es wieder hinauf auf die künstliche Welle.

Ein ganz anderes Abenteuer gleich nebenan. Gesichert wie ein Bergsteiger am Nanga Parbat, stehen wagemutige Passagiere auf der Absprungrampe. Unter ihnen zehn Decks freier Fall und der tiefe Blick zum Boardwalk. Über diese Schlucht gleiten nun die Freiwilligen an einem Seil bis zur gegenüberliegenden Reling, geschätzte 75 Meter werden es sein.

Beauty auf der Oasis: Botox an Bord!

Eine ganze andere Art von Gesundheitsbewusstsein auf Deck 6, ganz vorne: Spa und Fitness. Die Cardio-Abteilung wirkt wie ein riesiger Geräteschuppen, ein paar Pflanzen würden der Atmosphäre guttun, aber die stehen ja alle im Central-Park. Charlie, die Spa Managerin zeigt mir die Beauty-Welt der „Oasis of the Seas“.

Die ganze Palette der Behandlungen steht natürlich auch hier im Folder, aber dann doch auch etwas ganz Spezielles: Botox. Zwei Ärzte kümmern sich nur um die faltigen Gesichter der Kundschaft, die sie gerne geglättet haben möchten. „Manche Gäste kommen nur dafür an Bord, weil Lifting und Botox an Land viel teurer ist“, erzählt Charlie mit einem gestrafften Lächeln. Dabei klappt sie eine Broschüre mit vorher/nachher-Bildern auf.

Frühstück im Central Park. Es ist die Oase auf der Oasis, die Botanik an Bord. Palmen, Schlingpflanzen, Olivenbäume. Das ist der Ort, an dem sich Tarzan und Jane wohlfühlen würden. Ich sitze im Park Café, habe mir einen Cappuccino und drei Croissants geholt und tippe diese Zeilen ins Macbook.

Vögelgezwitscher kommt aus jedem Busch und dann kommt Lazlo. Ich habe mich mit dem Ungarn verabredet, denn er hat einen Job, den gibt es auf keinem Schiff: Lazlo ist Gärtner. Wobei das deutlich untertrieben ist. „Landscape Specialist“ steht auf seinem Schild, Gartenbauarchitekt also, er hat den ganzen Central Park geplant und ist zusammen mit drei Mitarbeiten der grüne Daumen an Deck.

Lazlo, der Bord-Gärtner auf der Oasis of the Seas

Früher hat Lazlo auf dem Festland in Florida tropische Gärten angelegt, seit 2009 tut er das auf den Mega-Schiffen von Royal Caribbean: Hier auf der Oasis of the Seas, dem Schwesterschiff „Allure of the Seas“ und auch auf dem dritten Giganten, der „Harmony of Seas“.

Über tausend Pflanzen und Bäume gedeihen hier im Central Park auf Deck 8. Beim „Walk in the Park“ erzählt mir Lazlo, dass seine Jungs eigentlich ständig zurückschneiden müssen. Es wächst und gedeiht wie auf einer karibischen Insel. Wenn sie den Wildwuchs zulassen, haben die Passagiere irgendwann Efeu in der Kabine.

Frühstück im Central-Park

Jeder noch so kleine Busch steht in einer eigenen Box, wird einzeln künstlich bewässert. Im Boden von Deck 8 laufen viele elektronische Leitung für die Royal Promenade. Und wenn die Jungs bei einem Kurzschluss immer erst den gesamten Park roden müssen, wäre das mehr als beschwerlich.

Während die Flora echt ist, kommt die Fauna vom Audio-System, verrät Lazlo. „Wir haben hier 55 Lautsprecher versteckt, aus denen das Vogelgezwitscher kommt.“ War eigentlich klar. Aber manchmal gesellen sich tatsächlich richtige Vögel zu den digitalen Kollegen – der Central Park ist oben offen. Sogar echte Geckos laufen hier rum und fangen sich echte Fliegen.

Ein letzter Absacker in der Stadt

Heute Abend werde ich zum letzten Mal durch den Central Park gehen, denn hier sind die besten Restaurants an Bord. Vom Steakhouse „Chops Grill“ bis zum Gourmettempel „150 Central Park“. Und vielleicht nehme ich noch einen Absacker in der Stadt, der Royal Promenade auf Deck 5.

Eine Woche auf der „Oasis of the Seas“, das ist bei Landgängen grenzwertig. Ja, wir waren auch an Land. In St. Thomas und auf Sint Maarten, dort mit fast 20.000 anderen Passagieren. Da bleibt einer Karibik-Insel keine Luft mehr zum Atmen. An Bord habe ich tatsächlich meine Oase auf der Oasis gefunden. Vielleicht zelte ich beim nächsten Mal im Central Park.

Mehr Infos: www.royalcaribbean.de

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Uwe Bahn ist Moderator und Autor. Als Reise- und Kreuzfahrtexperte schreibt er für die bekanntesten Zeitungen und Zeitschriften. Seit 2006 gibt er jährlich den "Kreuzfahrtguide" heraus, das Standardwerk für Urlaub auf dem Wasser. Außerdem ist er Herausgeber des Kreuzfahrtportals www.kruize.de.

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