Bereits zum 5. Mal ist Udo Lindenberg mit dem Rockliner in See gestochen. Dieses Mal auf „Mein Schiff 3“ von TUI Cruises, das innerhalb einer halben Stunde ausverkauft war. 2009 haben Udo Lindenberg und ich gemeinsam das Projekt Rockliner gestartet. Hier mein „Rockblog“ von Bord.

„Bitte nehmen Sie ihren Hut ab. Und die Sonnenbrille auch.“ Die TUI-Damen am Checkin-Counter in Kiel sind der Verzweiflung nahe. Sie müssen von jedem Passagier ein Foto machen. Wenn nun alle Hut und Sonnenbrille tragen – wie soll der Johnny Controlletti des Schiffes sie unterscheiden? So viele Doubles an Deck – Game of Clones.

Autogrammjäger sind „Kundschaft“

Dann checkt auch das Original ein. Und schon beginnt der Selfie-Alarm. Die Strecke von der Gangway zur Kabine könnte für Udo Lindenberg etwas länger dauern. Ein singender Kollege hat es mal so ausgedrückt: „Dieser Weg wird kein leichter sein.“

Aber ich kenne keinen, der so liebevoll mit den Autogrammjägern umgeht, wie Udo. Als ich mit ihm mal im Atlantic saß, kamen drei Fans mit einem aufgeklappten Poesie-Album. Er unterbrach unser Gespräch: „Kundschaft!“ Der Kunde ist König. Und der Kreuzfahrt-Kunde sowieso, denn er teilt mit Udo die Leidenschaft zur See. So wie ich auch.

Nun sind wir zum 5. Mal auf dem Rockliner. Dieses Mal auf „Mein Schiff 3“, dem ersten Neubau von TUI Cruises. Udo selbst ist auch ein Neubau, Richtfest 2008 mit „Stark wie zwei“. Seitdem hat er den Lauf seines Lebens. Was er anfässt, wird zu Gold. Momentan fasst er einen Edding nach dem anderen an. Kundschaft eben.

Punkt 19 Uhr steigen Udo und das Panik Orchester durch ein Spalier von Panik-Fans auf die Bühne vom Außendeck. Seit Rockliner eins ist es die Hymne und 2500 Kreuzfahrt-Kehlen gröhlen textsicher: „Odyssee, keiner weiß wohin die Reise!“ Obwohl natürlich jeder weiß, wohin die Reise geht: Aarhus, Göteborg, Kopenhagen. Und dann zurück nach Kiel.

Statt „Cello“ singt Udo Lindenberg „Bello“

Eine Stunde später bin ich auf Udos Suite Nr. 17 144 (Nummer wurde geändert, damit er auch mal Ruhe hat). Er ist tiefenentspannt. Obwohl reichlich Panik-Pensum vor sich hat: Drei Shows wird er im Theater spielen. Gleich wird erst mal geprobt. Immerhin haben er und seine Kapelle nach der großen Festlandstournee seit ein paar Wochen nicht zusammen musiziert.

Es ist zum Brüllen komisch, was ich dann im Rehearsel höre. Udo singt nicht „Cello“, sondern „Bello“. Die Band biegt sich vor Lachen und kläfft zum Text: „…und dein Bello ist im Keller. Komm’ hol’ den Hund noch einmal raus und bell’ so schön wie früher!“ Gaudi aus Gronau. Und immer ein paar Grad cooler, als bei anderen deutschen Popstars. Nicht nur das macht ihn so unique.

In den Bars und Lounges auf dem Rockliner wird schon kräftig gefeiert. Ist ja schließlich all inklusive bei TUI Cruises. Also geht auch der Feierlikör aufs Haus. Aber vor dem ersten Hafen erst mal `ne Runde schlafen.

Aarhus ist die Kulturhauptstadt Europas 2017. Logisch, dass der Rockliner da einparkt. Fest macht, wie der Seemann sagt. In der dänischen Studentenstadt sind dieses Jahr also Malen, Musik und Museen hoch im Kurs. Vielleicht wissen die Dänen ja, dass wir an Bord einen zeitgenössischen Maler haben, der nebenbei auch noch ein bisschen Musik macht. Und bald sein eigenes Museum hat. „Panikcity“ auf der Reeperbahn, naja Mitmach-Museum, noch wird ja nichts verraten. Udo und ein normales Museum, das passt ja auch nicht.

Udo ist auf 63 Zentimeter geschrumpft

Ich sitze mit Thomas von TUI in einem Straßencafé. Er ist oberster Entertainer der „Mein Schiff“ – Flotte, verantwortlich für alle Shows und was sonst alles so passiert, wenn die Panikpiraten nicht an Bord sind. Soll ja solche Tage auch geben. Er ist selbst Profi-Musiker und jetzt kommt es: Thomas spielt Cello! Aber nicht in jedem Saal in unserer Gegend. Ich saß auch nicht immer in der ersten Reihe und ich fand…wo waren wir stehengeblieben? Nein, Thomas ist Freund des Panikhauses und unterstützt uns darin, dass wir an Bord rocken dürfen. ThanXL Thomas!

Auf dem Rockliner dröhnt der Soundcheck für das erste Konzert. Udo steht ein paar Decks höher in der „Überschaubar“ (heißt wirklich so) regungslos auf einem Tisch. Er wiegt nur noch 5,7 Kilo, ist auf 63 Zentimeter geschrumpft, sieht aber blendend aus: Udo aus Bronze – eine Statue steht da in einem Meer aus Becks-Dosen.

Sein Schöpfer heißt Heiko und kommt aus – Gronau. Genau, dort wo Udo selbst auch geschaffen wurde. In seiner Heimat hat Heiko dem Ehrenbürger das Denkmal in groß gesetzt. Drei Meter hoch steht es dort seit zwei Jahren. Und nun auch hier auf dem Rockliner. Cooles Teil, Heiko! Kann man auch kaufen und ein Teil der Erlöse geht an die Udo Lindenberg-Stiftung. Von daher sehr gerne der Link: www.udo-lindenberg-statue.de.

Showtime am Abend. Wir brauchen nicht darüber reden, dass er in der Form seines Lebens ist und auch das Panikorchester ist auf dem Punkt. Dass Du bei Andrea Doria vier Takte zu früh warst Udo, hab’ nur ich gemerkt. Null Problem – das ist gut so. Hatte echt schon Angst, dass Du zu perfekt wirst.

Zwei Stunden rockt Udo durch. „Und dann knallst Du in mein Leben“ ist zum ersten Mal im Programm. Eine Supernummer, die auch abgefeiert wird. Jetzt wird einem erst klar, wie viele gute Songs er NICHT spielen kann. Weil eine fünf-Stunden-Show dann selbst für so ein Konditionswunder zu viel wären.

Heute die zweite Show. Dann die dritte, dann Papenburg Open-Air, dann Panik-City, dann bestimmt ein neues Album, dazu eine neue Tour, Rockliner 6, Rockliner 7, Rockliner 8… mein Terminplan ist voll für die nächsten Jahre.

Das Udo-Klima würde der Welt sehr gut tun

Wir sind wieder an Land. Und alle in dieser Leere. Fünf intensive Tage auf dem Rockliner fünf. Viele Tränen flossen die Gangway in Kiel runter. Kleine Sturzbäche. Es waren ja nicht nur die Konzerte von Udo Lindenberg. Es war seine ganze Panik-Philosophie, seine Texte, seine Geisteshaltung. Er hat uns miteinander verbunden, die Passagiere, seine Musiker. Das ganze Schiff. Ein Kreuzfahrt-Kosmos. Udo schafft vielmehr als nur Musik. Er schafft ein Klima. Eines, das der Welt sehr, sehr gut tun würde.

Mehr Infos: www.udo-lindenberg.de

 

Fotos: Tine Acke und Uwe Bahn

TEILEN
Vorheriger ArtikelMein Schiff 4 – nah am Wasser
Nächster ArtikelKolumne: Die Petz-Portale
Uwe Bahn ist Moderator und Autor. Als Reise- und Kreuzfahrtexperte schreibt er für die bekanntesten Zeitungen und Zeitschriften. Seit 2006 gibt er jährlich den "Kreuzfahrtguide" heraus, das Standardwerk für Urlaub auf dem Wasser. Außerdem ist er Herausgeber des Kreuzfahrtportals www.kruize.de.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here