Auf der Harmony of the Seas sind es über 2000, auf der historischen Sea Cloud gerade mal 60. Und diese Besatzungsmitglieder sind etwas ganz Besonderes. Deshalb geht es nur um sie – Crew only!

Die Sea Cloud hat kein Theater. Keinen Wellnessbereich, keine Diskothek und auch keinen Kidsclub. Dafür hat sie etwas anderes: Segel. Alle sind von Hand gesetzt. Über 3000 Quadratmeter hängen an den vier Masten der Bark.

Sea Cloud wurde bereits 1931 gebaut

Und die Sea Cloud hat noch etwas ganz Besonderes: eine lange Tradition. Bereits 1931 wurde sie in der Germania Werft in Kiel gebaut. Damals hieß sie Hussar II und war ein Hochzeitsgeschenk des amerikanischen Börsenmaklers Hutton an seine Gattin. Die Dame, Marjorie Merriweather Post, war selbst Unternehmerin und eine der reichsten Frauen Amerikas. Mit dem nötigen Kleingeld putzte sie das Schiff zur luxuriösesten Yacht der damaligen Zeit heraus.

Vier Jahre später – nach der Scheidung – hieß die Viermastbark dann zum ersten Mal Sea Cloud. Im 2. Weltkrieg bekämpfte sie um- und aufgerüstet feindliche U-Boote, dann kaufte sie ein dominikanischer Diktator. Danach fuhr sie Chartertouren, ehe sie in Colon/Panama vor sich hin rottete.

Hamburger Kaufleute retteten die Sea Cloud

Ein Konsortium Hamburger Kaufleute retteten die Segelyacht schließlich vor dem Schifffriedhof. Einer von Ihnen, Hermann Ebel, führt seit 1994 die Reederei „Sea Cloud Cruises“. Wer zu den 60 auserwählten Besatzungs-Mitgliedern der Sea Cloud gehört, ist auch ein Stück Geschichte. Um fünf von Ihnen soll es nun gehen. Diese Story ist nur über sie – Crew only!

Simon Kwinta, Hotelmanager

Der Pole aus Krakau ist selbst eine Legende. Dreißig Jahre segelt er nun auf „seiner“ Sea Cloud. Eine Ehe für die Ewigkeit, wie er selbst meint: „Niemals im Leben werde ich auf einem anderen Schiff arbeiten.“ Und mit 66 ist noch lange nicht Schluss. Simon ist die Seele der Sea Cloud. Sechs Monate nonstop an Bord, dann ein Monat frei. Das ist sein Arbeitsrhythmus.

Welches ist der Lieblingsplatz auf dieser Karibik-Tour? „An Deck.“ An einem Seetag wie diesem unter vollen Segeln, dass ist Simons Welt. „Kein Stress im Hafen mit den Ausflügen“, erzählt er und bindet sich die Schürze vor den gepflegten Bauch. Büfett auf dem Lidodeck. Ein kurzer Check: Beim Fruit Salad fehlt eine Gabel. Dann das Zeichen an die Bardame: „Ring the bell!“ Mittagessen.

Der nächste Tag, Chatham Bay, auf der kleinen Grenadinen-Insel Union Island. Beach-Barbecue. Steeldrum-Klänge schallen durch die Bucht. Eine Band mit Rastazöpfen spielt „Islands in the Sun“. An der Gitarre: Simon Kwinta. Die Karibik-Kombo hat er selbst gecastet, vor Jahren in einer Bar auf der Insel kennengelernt. Und nun jamt Simon mit Ihnen immer wenn die Sea Cloud vor Union Island auf Reede liegt.

Nicoletta Sarghe, Kadettin

Sie ist das Kreuzfahrtküken auf dem Schiff, gerade mal zarte 22 Jahre alt. Und sie hat den vielleicht härtesten Job an Bord – 54 Meter über dem Meeresspiegel! Gesichert wie Reinhold Messner am Nanga Parbat, klettert die Kadettin den Großmast hinauf. Segelmanöver. Rau ist der Umgangston der männlichen Matrosen in solch’ einem Moment.

Sechs Monate macht Nicoletta Praktikum auf der Sea Cloud, studiert sonst Navigation in ihrer Heimat Rumänien. Geboren ist sie in Constanza am Schwarzen Meer. Das Meer hat sie sozialisiert. Kein Wunder, dass dort später Ihr berufliches Zuhause sein soll: „Ich möchte Kapitän werden. Am liebsten auf der Sea Cloud!“ Das kann noch etwas dauern.

Immerhin auf dem Zodiac ist sie schon mal Staff-Captain zur Probe. Mit dem Schlauchboot shuttelt sie die Passagiere rund um die Seacloud für das Foto-Shooting. Das Schiff fährt unter vollen Segeln vor Guadeloupe. Ist gibt schlechtere Praktika.

Georg Niedermayer, Sous Chef

Wer aus Bozen in Südtirol kommt, für den ist es ein weiter Weg auf die Sea Cloud. Georg Niedermayer hat den Umweg über die Donau genommen. Dort hat er auf Flussschiffen gekocht. Und gelernt, wie es ist, auf engstem Raum Speisen zu kreieren.

Auf der Sea Cloud arbeiten sie zu siebt in der Küche, fünf servieren, zwei weitere Crew Mitglieder stehen an der Bar. In Barbados ist Loading, dort werden die Waren für die Karibik-Kreuzfahrt gescheckt und gebunkert.

Manchem Fisch hätte Küchenchef Maik durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit schenken können. Jedenfalls gehören Red Snapper & Co in dieser Woche nicht zu den Sternstunden.

Wenn der Captain Segel setzen lässt, dann wird es schwer für Georg Niedermayer und seine Kollegen. Die Schieflage der Sea Cloud lässt keine Bouillabaisse zu. „Bei starkem Seegang müssen wir jeden Topf in der Küche sichern“, erzählt der Sous Chef.

Patricia Witzigmann

Offiziell ist „Patty“ Kreuzfahrtdirektorin, inoffiziell ist sie ein Schatz. Mal schlüpft sie in die Rolle der schmerzfreien Piratenbraut, mal erzählt sie die Geschichte der Sea Cloud im Kostüm von Marjorie Merriweather Post, der ersten Eignerin.

Patty ist das Lektorat, Patty ist das Entertainment. Ein Glücksfall für das Schiff, dass sie für beides den Background hat: Nach dem Schauspielunterricht studierte sie Theaterwissenschaften, Literaturwissenschaften und Anglistik an der freien Universität in Berlin, Ihrer Heimatstadt. Die Bühne ist Ihr Element, aber auch das Walkie Talkie, mit dem sie gerade den Landgang auf Dominica koordiniert.

Auf einem kleinen Schiff wie der Sea Cloud sind solche Allround-Talente von unschätzbarem Wert. Das wissen auch andere Reedereien, die Patricia Witzigmann buchen. Viele der Passagiere sind wegen Patty hier. Denn sie war mit einer Sea Cloud – Roadshow in Deutschland unterwegs. Da haben die Leute gleich danach gebucht. Wie gesagt ein Glücksfall.

Katja Knopp, Hausdame (Executive Housekeeping)

Um die Kabinen 1-4 kümmert sie sich höchstpersönlich. Das sind die großzügigen Luxussuiten auf der Sea Cloud. Und in einer wohnt auf dieser Tour Hermann Ebel, der Eigner. Da sollte jeder Handgriff des Housekeeping stimmen.

Katja Knopp kommt aus Rostock, hat 2008 als Kabinenstewardess begonnen und ist nun die verantwortlich Hausdame. Was auf einem Schiff immer komisch klingt. Sechs Philipinos sind in ihrem Team, drei für die Kabinen und öffentlichen Räume, drei für die Wäscherei.

Mittags zwölf Uhr ist die tägliche Deadline, da müssen alle Kabinen hergerichtet sein. Dann setzt sich Katja mit einem Buch in die kleine Ecke am Vordeck der Sea Cloud und liest. Ungestört. Der Bereich ist „crew only“.

 

 

Mehr Infos: www.seacloud.com

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Uwe Bahn ist Moderator und Autor. Als Reise- und Kreuzfahrtexperte schreibt er für die bekanntesten Zeitungen und Zeitschriften. Seit 2006 gibt er jährlich den "Kreuzfahrtguide" heraus, das Standardwerk für Urlaub auf dem Wasser. Außerdem ist er Herausgeber des Kreuzfahrtportals www.kruize.de.

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